Hochschwulwahlen an der Uni Gießen 2012 (2)

Wir stellen nun die „Erkenntnisse“ vor, die wir aus dem Lesen der einzelnen Wahlprogramme erhalten haben. Warum wir uns die Wahlprogramme nach den einzelnen Gesichtspunkten angeschaut haben, erläuterten wir hier. Falls ihr Ergänzungen habt oder Ungenauigkeiten erkennt: Einfach in die Kommentare posten oder uns zu mailen. Wie gesagt; wir sprechen keine Wahlempfehlungen aus.

(1) nicht-heteronormative Identitäten

„Unsere Uni. „spricht sich für die gleichgestellten Rechte von Personen jeglicher sexueller Orientierung aus und dafür dass Personen nicht auf Grund von Geschlecht und sexueller Orientierung diskriminiert werden dürfen.

„Demokratische Linke“ erwähnt nicht explizit sexuelle Identitäten von Studierenden, bezieht sich jedoch immerhin auf Homosexuelle, die auch während des Zweiten Weltkriegs verfolgt wurden (und immer noch gerne vergessen werden, wenn es um die geht, welche die Nationalsozialist_innen verfolgt haben)

Die „Jusos“ erwähnen, dass Personen immer noch auf Grund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden.

Keine Erwähnung finden sexuelle Identitäten bei: „Die Demokratie“, „Linke.SDS“, „LHG“ und „Uni Grün“.
„Projekt Zukunft!“ und RCDS („Die StudentenUnion“) äußern sich zu sexueller Orientierung wenig, aber sehr ähnlich:
StudentenUnion: „Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Eine Gleichstellung ist genau dann erreicht, wenn diese Eigenschaften in Entscheidungsprozessen keine Rolle spielen. (…) Der RCDS lehnt Quotenregelungen als diskriminierendes Element ab.“
Vs.
Projekt Zukunft!: „Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, Herkunft, Religion, Familienstands, Behinderung oder sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Eine Gleichstellung ist genau dann erreicht, wenn diese Eigenschaften in Entscheidungsprozessen keine Rolle spielen. (…) Projekt Zukunft! lehnt Quotenregelungen als diskriminierendes Element ab.“

(2) „Gendern“

„Uni Grün“ switcht zwischen dem generischen Maskulinum und dem Binnen-I (Fußgänger, ArbeitnehmerInnen…).

„Die Demokratische Linke“ benutzt das Gender_Gap. Abwechselnd „*“ und „_“.

„Die Jusos“ sind etwas konfus und benutzen zwar das Gender_Gap „_“, jedoch auch das generische Maskulinum, weiterhin das Binnen-I und zusätzlich noch die explizite Erwähnung beider Geschlechter. (z.B. Mathematiker_innen, Absolventinnen und Absolventen, BewohnerInnen, „Entscheidungsträger“)

„Die Demokratie“ benutzt das generische Maskulinum. Erwähnt jedoch auch weibliche und männliche Personen.

„Linke.SDS“ switcht zwischen dem generischen Maskulinum und dem Gender_Gap „_“.

„Unsere Uni.“ wechselt zwischen Binnen-I, generischem Maskulinum und der Erwähnung von weiblicher und männlicher Form.

Ausschließlich in generischem Maskulinum schrieben: „LHG“, „StudentenUnion (RCDS)“ und „Projekt Zukunft!“
„StudentenUnion (RCDS)“ und Projekt Zukunft! trieben dies soweit bestehende Institutionen, wie das Studierendenparlament oder den Allgemeinen Studierendenausschuss lieber „Studentenparlament“ und „Studentenausschuss“ zu nennen.

(3) Feminismus und Gleichstellung

„Unsere Uni.“ ist für „effektive Frauenförderung, für die Durchsetzung der Gleichberechtigung auf allen Ebenen.“

Die „Jusos“ sind für die Gleichstellung von Frauen und Männer.

Die „Demokratische Linke“ erwähnen Feminismus und Gleichstellung explizit und erklären sich selbstkritisch Teil einer feministischen Jugendbewegung. Konkret kritisieren sie den jetztigen Kern-AStA (11 Referenten / 3 Referentinnen) und verkünden den Willen bei einer AStA-Bildung mehr Referentinnen als Referenten stellen zu wollen.

Keine explizite Erwähnung findet Feminismus und Gleichstellung bei: „Linke.SDS“, „Die Demokratie“, „LHG“, „Uni Grün“.
Explizit gegen „Frauenquoten“ sprechen sich „StudentenUnion (RCDS)“ und „Projekt Zukunft!“ aus.

(4) Autonome Referate

Die „Jusos“ schreiben, dass sie die „erfolgreiche Arbeit der autonomen Referate für Schwule und Lesben“ unterstützen. Wir möchten an dieser Stelle erwähnen, dass das queer-feministische Frauenrefeat und das Schwulen-Trans*-Queer-Referat Schwule und Lesben vertreten, wir jedoch auch weitere Personengruppen vertreten.

„Unsere Uni.“ benennt alle autonomen Referate explizit. QFFR und STQR werden explizit hervorgehoben und für unterstützenswert befunden.

Nicht erwähnt werden Autonome Referate von „Uni Grün“, „Demokratische Linke“, „Die Demokratie“, „Linke.SDS“.

Die StudentenUnion (RCDS) würde gerne anstatt des QFFRs und des STQRs ein Gleichstellungsreferat einführen. Das „Projekt Zukunft!“ hat auch diese Forderung übernommen und würde diesem Referat eine einzige Stelle einräumen. Dies hieße, dass mit einer einzigen Stelle die Arbeit von normalerweise 5 Personen (momentan 4) gedeckt werden würden. Die Arbeit soll also dem Wunsch der (beiden) Liste(n) minimiert werden. Trotzdem erwähnt „Projekt Zukunft!“ alle autonomen Referate samt Links zu den Webseiten.

Die „LHG“ spricht von keinen Stellenkürzungen bei den autonomen Referaten von Ausländischer Studierendenvertretung und auch „Studieren mit Kind“ wird erwähnt. Die nicht-Erwähnung des queer-feministischen Frauenreferats (QFFR) und des Schwulen-Trans*-Queer-Referats (STQR) könnte den Rückschluss ermöglichen, dass nicht-heterosexuelle Identitäten und/oder die Förderung von Frauen unerwünscht ist/sind.

(5) Rechtsradikalismus

„Linke.SDS“ definieren sich explizit antifaschistisch und schreiben von der Fortführung ihrer Tätigkeit im Bündnis gegen Rechts und sprechen sich für die Zusammenarbeit und Förderung von linken Strukturen der Stadt (AK44/Infoladen, Café Amélie) aus.

„LHG“ sprechen sich explizit gegen „rechtes Gedankengut“ und „rechte Strukturen im Umfeld der JLU“ aus.

„Unsere Uni.“ lehnen Rassismus ebenso, wie Burschenschaften und schlagenden Verbindungen ab. Sie stellen sich gegen faschistische Gruppen und bekräftigen die Zusammenarbeit mit linken Strukturen der Stadt (AK44/Infoladen, Café Amélie)

Die Jusos lehnen Rassismus, Burschenschaften (Sexismus, Nationalismus, etc.) ab und bekräftigen die Fortführung der Mitarbeit im Bündnis gegen Rechts. Sie sehen „Verstrickungen zwischen Neonazis, Burschenschaften und dem RCDS“.

„Demokratische Linke“ bekundet einen antifaschistischen Grundkonsens und die Ablehnung von Burschenschaften.

Keine Erwähnung von Rechtsradikalismus, Rassismus, usw. findet sich in den Wahlprogrammen von: „Projekt Zukunft!“, „Die Demokratie“, „StudentenUnion (RCDS)“, „Uni Grün“.

„Projekt Zukunft!“ will „dem politischen Links- und Rechtsextremismus innerhalb der Verfassten Studentenschaft entgegen (…) wirken.“

(6) Barrierefreiheit

„Uni Grün“ fordern Online-Vorlesungen und haben in ihrem Wahlprogramm Forderungen nach Umsetzung „barrierefreier Zustände“ verankert, sie wollen mehr barrierefreie Webseiten und geschulten DozentInnen im Umgang mit alltäglichen Barrieren.

„Jusos“ erwähnen Gehbehinderte, Sehbehinderte und Menschen mit „gesundheitlichen Beeinträchtigungen“. Eine ihrer konkreten Forderungen im Bezug auf Barrierefreiheit ist die Forderung nach einer barrierefreien, „bogenförmigen Fußgängerbrücke“ zwischen Phil1 und Phil2.

„LHG“ erwähnt „körperlich Behinderte“. Sie sprechen sich für die Priorität von Barrierefreiheit gegenüber Denkmalschutz oder ästhetischen Erwägungen aus.

„Unsere Uni.“ erwähnen Behinderung. Es wird der Verein „Zentrum selbstbestimmt Leben Gießen e.V.“ erwähnt und sich für die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention an der Universität ausgesprochen.

Barrieren werden nicht konkret von folgenden Listen benannt: „Demokratische Linke“, „StudentenUnion (RCDS)“, „Die Demokratie“, „Projekt Zukunft!“, „Linke.SDS“,

(7)Sonstiges

Die „Demokratische Linke“ weist das Alleinstellungsmerkmal Radikaldemokratie auf.

Die „Jusos“ wollen eine Aufklärungskampagne zum Thema HIV/AIDS, in Verbindung mit Initiativen/Vereinen, wie der Aids-Hilfe Gießen, durchführen.

„Die Demokratie“ ist eine Hochschulliste, mit einer einzigen Forderung: Es sollen direktere Entscheidungen des Studierendenparlament und AStA von den Studierenden mitbestimmt werden. Dies soll mittels Online-Abstimmungen geschehen. Dadurch ist nicht klar, wie die Liste im StuPa agieren würde, oder ob sich die Liste generell für die Abschaffung von StuPa und AStA einsetzen würde.

In der Liste „Projekt Zukunft!“ treten Personen aus Burschenschaften und Verbindungen, wie z.B. Germania, Unitas Maria Montessori, Alemannia, … zur Wahl an.
„Projekt Zukunft!“ fordert einen monatlichen Tätigkeitsbericht von den AStA-„Referenten“.
„Projekt Zukunft!“ ist gegen die Förderung von globalisierungskritischen Filmfestivals.

Dass die Wahlprogramme von „StudentenUnion (RCDS)“ und „Projekt Zukunft!“ in vielen Teilen im Wortlaut miteinander übereinstimmen ist höchst mysteriös.

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